René Magritte malte seit Beginn der zwanziger Jahre surrealistisch und hatte sich an vielen Ausstellungen der Surrealisten beteiligt. Er entwickelte einen greifbar nahen Realismus mit überraschenden Trompe I’oeil-Effekten und widmete sich zunehmend der Infragestellung des Sichtbaren durch harte Konfrontation verschiedener Realitätsebenen und Motive.

Im exakt erschlossenen Raum agieren klar modellierte Personen, deren bruchstückhafte Vergegenwärtigung jedoch eine irrationale und komplizierte Ebene der Verständigung erzeugt. Jedes Bild wird zu einem Rätsel.

In dem hier dargestellten Gemälde „Doppeltes Geheimnis“ steht vor einer Meereslandschaft das ausgeschnittene Doppelporträt einer Frau, wobei der Kopf auf der rechten Seite überlagert wird durch die Umrisse des linken Gesichtes und statt sinnlicher Haut mit Glöckchen besetzte Stoffbahnen auftauchen. Diese Glöckchen gehen offenbar auf Magrittes Kindheitserinnerung an die Pferde zurück, die mit klingenden Schellen durch Brüssel zogen. Das Thema Bildnis wird überführt in die Ebene von Porträt und Schattendasein, Abbild und Erinnerung.

René Magritte, 1898-1967
Doppeltes Geheimnis

Auszug aus dem eBook:

Modere Kunst – Die Malerei des 20. Jahrhunderts

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