Vermeer - Im Spiegel seiner Zeit

Vermeer entwickelte seinen Stil zunächst wohl unter dem Einfluss des Rembrandtschülers Carel Fabritius (1622-1654), auch wenn dieser kaum sein direkter Lehrer gewesen sein dürfte. Fabritius war bis 1643 in Rembrandts Werkstatt und anschließend selbständig in seinem Geburtsort Midden-Beemster bei Amsterdam tätig gewesen, bevor er 1650 Bürger von Delft wurde. In dieser Delfter Zeit begann er sich endgültig von Rembrandts Stil zu lösen und entwickelte seine Szenen vor hellen Hintergründen unter Verzicht auf die dramatischen Helldunkel-Kontraste Rembrandts. Zudem veränderte er die räumlichen Konstruktionen seiner Bilder durch starke perspektivische Verkürzungen und extrem in den Vordergrund gerückte Gegenstände, die sich gewissermaßen zwischen den Betrachter und die im Mittel- oder Hintergrund angeordnete Szene stellten: alles dies Besonderheiten, die auch einen Großteil von Vermeers späteren Genrebildern kennzeichnen. Fabritius in diesem Sinne reifste Bilder wie Die Torwache ( → Bild ) , die Vermeer mit großer Sicherheit beeindruckten, entstanden 1654, also in dem Jahr, als Fabritius bei der Explosion des Delfter Pulverturms, die ganze Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, ums Leben kam. Sein Tod veranlasste den Delfter Buchdrucker und Verleger Arnold Bon zu seinem Gedenken ein Gedicht zu verfassen, dessen letzte Strophe auf Vermeer aufmerksam macht: „So erlosch denn dieser Phönix (Carel Fabritius) zu unserem Schaden/ Inmitten seines Ruhmes schied er aus dem Leben./ Doch glücklich aus der Asche durfte sich erheben,/ Vermeer als Meister folgend auf denselben Pfaden. “ 1 Vermeers Wertschätzung von Fabritius geht schon daraus hervor, dass er in seiner Bildersammlung allein drei Werke des Malers besaß.

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